Transformation der Veranstaltungstechnik 2025/2026

Digitalisierung, immersive Technologien und Nachhaltigkeit verändern Licht, Ton und Produktion. Fokus Schweiz – mit Blick auf XR-Anwendungen in der Eventbranche und Industrie 4.0.

Extended Reality (XR): Technologien, industrielle Einsatzgebiete und Event-Anwendungen

Extended Reality: Definition und Abgrenzung der Technologien

Der Begriff Extended Reality (XR) umfasst alle Technologien, die computergenerierte Umgebungen ergänzen oder erweitern. Dabei wird zwischen Augmented Reality (AR), Virtual Reality (VR) und Mixed Reality (MR) unterschieden. Während Augmented Reality die reale Welt durch virtuelle Elemente erweitert und die physische Realität weiterhin wahrnehmbar bleibt, taucht Virtual Reality den Nutzer in eine vollständig computergenerierte, interaktive Umgebung ein, die über ein Head-Mounted Display (HMD) erlebt wird. Mixed Reality verbindet schliesslich beide Welten, indem sie digitale Objekte nahtlos in die reale Umgebung integriert.

Extended Reality (XR): Technologien, industrielle Einsatzgebiete und Event-Anwendungen
© Victorpakhomov (CC BY-SA 4.0)

Arten der Augmented Reality und Tracking-Methoden

Je nach Auslöser (Trigger) und Tracking-Methode lassen sich verschiedene AR-Typen unterscheiden, die sich insbesondere für den mobilen Einsatz und Web-AR eignen.

Markerbasierte und bildbasierte Systeme

Die ursprüngliche Form der AR nutzte nicht-figurative Marker oder QR-Codes, die für Algorithmen leicht erkennbare Formen darstellen. Die Weiterentwicklung führte zum Image Tracking, bei dem figurative Bilder wie Poster, Produktverpackungen oder Visitenkarten durch Vision-Algorithmen in Millisekunden erkannt und verfolgt werden.

Räumliches und objektbasiertes Tracking

World Tracking (Surface Tracking/SLAM) ermöglicht die freie Platzierung von Inhalten auf horizontalen oder vertikalen Flächen in Echtzeit, ohne vorherige Vorbereitung der Umgebung. Spatial Tracking erweitert dies durch die Kombination von Image Tracking und World Tracking auf ganze Räume, während Object Tracking einzelne reale Objekte anhand von 3D-Modellen präzise verfolgt. Face Tracking und Body Tracking erfassen Gesichts- und Körperpunkte für Filter und Animationen.

TypTrigger/TrackerVoraussetzung
MarkerNicht-figuratives Bild/QR-CodeKeine Vorbereitung nötig
Image TrackingFiguratives BildBild-Training erforderlich
Location-basedGPS-PositionGPS-Signal
World TrackingHorizontale/vertikale EbenenSLAM-Algorithmus
Spatial TrackingRaum-ScanVorherige Raumerfassung
Object Tracking3D-Modell/Mesh3D-Replik des Objekts

Industrielle Anwendungen von AR und VR

Im industriellen Umfeld haben sich AR und VR als unabdingbare Säulen der digitalen Transformation etabliert. Laut einer Harvard Business Review-Studie verzeichnen Unternehmen durch den Einsatz von Augmented Reality in der Fertigung eine durchschnittliche Produktivitätssteigerung von 32 Prozent.

Fertigung, Montage und Qualitätskontrolle

Mitarbeiter rufen Montage- und Reparaturanleitungen direkt an der Maschine ab und optimieren Abläufe durch Video-Chats mit Experten. Durch digitale Zwillinge – digitale 3D-Kopien physikalischer Objekte – können Produkte vor der physischen Fertigung virtualisiert, getestet und angepasst werden. AR-gestützte Qualitätskontrolle integriert IoT-Sensordaten in die Sicht des Prüfers und verhindert Fehler während der Produktion.

Wartung und Training

Da VR-Nutzer komplett von der Außenwelt abgeschnitten sind, eignet sich Virtual Reality besonders für Schulungs- und Trainingsszenarien ohne Sicherheitsrisiken. Personen lernen an virtuellen Abbildern komplexer Maschinen, wodurch Fertigungszeiten und Fehlerquoten reduziert werden. Bei Wartungsarbeiten projizieren AR-Brillen schrittweise Anleitungen direkt in das Sichtfeld der Techniker.

Eingesetzte Hardware

Für industrielle Anwendungen kommen spezialisierte Geräte zum Einsatz: Die Microsoft HoloLens 2 (ab 3.849 Euro) ermöglicht Mixed Reality mit Sprach- und Gestensteuerung. Die HTC Vive Focus 3 bietet 5K-Auflösung und Handtracking mit 26 Messpunkten. Die Vuzix M4000 nutzt Waveguide-Technologie für ein 28° Sichtfeld, während die RealWear Navigator 5000 mit 48-MP-Kamera und IP66-Zertifizierung für laute Umgebungen optimiert ist.

XR im Eventmanagement und Unterhaltungsbereich

Unter dem Sammelbegriff XR erweitern AR, VR und MR das Besuchererlebnis bei Veranstaltungen und schaffen neue Dimensionen der Markenkommunikation.

Virtuelle Konzerte und Festivals

Plattformen wie Melody VR ermöglichen es Nutzern, via Headset live bei Konzerten dabei zu sein oder auf der Bühne neben der Band zu stehen. Das Places Virtual Reality Festival in Ückendorf war das erste frei zugängliche VR-Festival Deutschlands und setzt auf direktes Feedback zwischen Entwicklern und Publikum. Das belgische Tomorrowland erreichte 2020 mit einer virtuellen Ausgabe über eine Million Online-Teilnehmer.

Das Potenzial zeigt sich auch in Gaming-Umgebungen: Das Fortnite-Konzert „Remix: The Finale“ mit Künstlern wie Snoop Dogg und Eminem erreichte über 14 Millionen gleichzeitig eingeloggte Spieler weltweit – mehr als viele klassische Live-Fernsehübertragungen.

Corporate Events und Hybridformate

Für Markenaktivierungen entwickeln Agenturen VR-Erlebnisse wie das „FRUIT SABER BATTLE“ für RAUCH Fruchtsäfte, das spielerische Interaktivität für die Generation Z schafft. Habegger setzt seit 2021 auf XR-Technologien für hybride Events und nutzt LED-Studios mit Camera Tracking für immersives Storytelling. Das Unternehmen Racefire kombiniert Simracing mit AR-Overlays und Chassisbewegungen für Business-Events.

Marktentwicklung und Zukunftsperspektiven

Laut einer PwC-Studie erreichte der deutsche VR-Markt 2018 ein Volumen von rund 116 Millionen Euro (Wachstum 38 Prozent) mit Prognosen von bis zu 280 Millionen Euro für 2023. VR-Headsets sind mittlerweile für etwa 450 Euro erhältlich, was die Verbreitung demokratisiert.

Zukünftig werden AR- und VR-Lösungen um KI-Funktionen erweitert, wobei der Mensch weiterhin die zentrale Rolle bei der Steuerung behält. Die Entwicklung geht hin zu Web-AR, das ohne App-Installation direkt im Browser funktioniert, und zu hybriden Formaten, die physische Präsenz mit virtueller Teilnahme verbinden.